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#acht – suisse

Prolog

Wir fahren im August nach Schweden. Da war es ja Janauar. Wir buchen das ein, nehmen Urlaub, sagen den Kollegen Bescheid, dass die planen können. Die wollen ja immer alles planen. Planungssicherheit. Ich finde das toll. Es ist ein Strohhalm, eine Illusion. Also und dann kam der Märzen und COVID-19 und alles kam ganz anders und das ist es noch. Wir denken anders. Wir sind anders geworden. Wir können ja aber nicht mehr nach Schweden. Wir können nicht reisen. Man darf jetzt nicht reisen. Und dann kam der Juni und der Juli. Man darf doch reisen. Vorsichtig mit Mundschutz und den Regeln des Coronavirus Disease 2019. Wie jetzt alles zu sein hat. Ich bilde mir noch ein, dass es ein Vorher gegeben hat. Dann verblasst alles. Und nun also fahren wir mit Gundel Schaukeley nach Frankreich. Die Reproduktionszahlen sind gut. Es ist ein Nachbarland. Wenn die 2. Welle kommt, ist man schnell zu Hause Da kann man hin. Ach nein, kann man nicht, sind ja Ferien dort. In Frankreich haben alle Kinder zugleich Ferien. Das ganze Land ist en mouvement. Das wäre uns zu viel Getümmel. Also nicht nach Frankreich. Nach Dänemark. Dänemark ist auch schön. Auch Nachbarland. Gute Regelungen zu Corona, strenge Sitten. Ist gut, fahren wir hin. Ich träume von Wikingermuseen und von Smørrebrød-Platten und wie’s da auch Sonnenunter- und -aufgänge gibt. Aber Dänemark hatte Einreiseregeln. Jeder musste 6 Über-nachtungen nachweisen. 6 Campingplätze, 6 Tage planen, die wir nie planen wollten und nicht können. Passt uns nicht. Also auf nach Frankreich. In die Normandie, in die Bretagne, so nah wie möglich ran an den salzigen Atlantik. Wie oft wir schon dort waren, aber nie in der Normandie, der Bretagne. Also müsste man das machen. Ich träume von Erdbeertörtchen und Aprikosen-keksen. Wir fahren den Rhein hinunter bis Rotterdam und dann nach links die Küste runter. So machen wir es. Freude!

Die Reiseregeln für Dänemark wurden geändert. Man muss nicht mehr buchen. Wir fahren nach Dänemark. Ist doch auch besser, waren wir ja noch nie so richtig, außer Sminge, ’88 mit den Jungs. Wo Peer Koch seinen Schuh während der Rückfahrt verloren hatte. Dänemark. Ich träume von Smørrebrød-Platten und wie’s da auch Sonnenunter- und -aufgänge gibt. Wir fahren Freitagnachmittag los und auf dem Weg dahin beim blöden Gaues vorbei, dessen Brot so geil ist wie er unangenehm. So machen wir es. Dänemark. „Die Reiseregeln für Dänemark wurde geändert. Man muss doch wieder buchen.“
Wir fahren nach Frankreich. Wir fahren hoch zum blöden Gaues und dann nach Norddeich zu den Seehunden und dann nach links, die Küste runter bis in die Normandie, bis in die Bretagne. In Kamperland gehen wir Fisch essen. Da war es Sonntagmorgen. Wir waren fest entschlossen.
Sonntagabend. Das ist doch auch langweilig. Da steckt ja auch kein richtiges Konzept dahinter. Und außerdem sind da immer noch die fucking Sommerferien. Aber weißt du, was wir machen? Wir fahren runter bis zur Rheinquelle und dann via Liechtenstein, Bodensee, Rheinfälle, die französische Rhein-seite, Mittelrhein, bei uns vorbei, Niederrhein, Niederlande. Das ist ein Konzept. Das wird auch ein Heft. Die Nummer #acht. Das macht Sinn. So machen wir es. Wir machen Halt in Saint-Pierre (Elsass) und dann nach Andermatt und dann zur Rheinquelle und so machen wir es. Freitagnachmittag. Wir fahren los. Mit Schwuppdiwupp-Geschwindigkeit, 135 km/h, was die Kiste hergibt. Wir müssen vor 19 Uhr in Saint-Pierre sein, bevor das Ferme Haag schließt. Das ist unser Käseladen, zu dem wir schon seit einiger Zeit immer mal wieder fahren. Das Elsass ist nah. Und dann geht es den Rhein runter. Es wird herrlich. Und so.