der herr der zukunft – 19693

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Status: COVID-19-Pandemie1

Also, es ist so: Wir wohnen hier in einer Art skurrilem Paradies. Das Häuschen, das wir bewohnen, ist nicht direkt eine Luxusbude, aber es reicht uns und es ist gemütlich. Gemütlichkeit ist richtig und wichtig. Das Häuschen steht jedoch auf einem Gelände, man kann es auch Anwesen nennen, und darauf wohnen diverse Menschen, die sich um das Anwesen kümmern sowie 1 Gräfin, 2 Katzen, 1 Hund, ein paar Ziegen, diverse Rehe, 1 Wildschweinfamilie und ein oder mehrere Füchse, die ich nicht auseinanderhalten kann. Füchse sehen alle gleich aus. Einer der Menschen, die hier rumhängen, ist Konrad, der Gärtner. Er erklärt mir 1 Mal im Monat, wieviel geiler es in Kasachstan sei. Zum einen wüchsen dort Orangen und Zitronen und zum anderen wären die Menschen dort tip top und obendrein scheint jeden Tag die Sonne. Im Gegensatz zu hier. Corona gäbe es dort nicht. Und hier übrigens … HAHAHAHAHA … eigentlich auch nicht. 

Er hält uns, mit unseren Masken und unserer Corona-Distanz, für liebenswerte Spinner. Also uns, und alle anderen, die hier wohnen aus den verschiedensten Gründen. Zum Beispiel, wenn ich mitten im nasskalten Winter hier in das Pfauenhäuschen fahre (in dem ich gerade sitze) und dort rumlungere. Aber weil heute die Putzfrau kommt, die auch nicht sooooooo überzeugt ist von der Gefährlichkeitshaftigkeit von Corona, flüchte ich hier hin. Das Pfauenhäuschen ist eine Gartenlaube, in der vor Jahr und Tag die Pfauen Pip und Pipette gewohnt haben. Pip ist mal über die Mauer des Anwesens gesprungen und wurde umgehend von einem Fahrzeug erfasst und getötet. Pipette lief daraufhin schreiend fort und wart nimmer gesehen. Naja. Auf jeden Fall stand das Pfauenhäuschen dann leer und Pascal, der tapfere Schreiner, baute uns das innen so aus, dass man sich gerne darin aufhält. Außer sieht es immer noch so aus, wie etwas eben aussieht, dass in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts erbaut wurde.

Tumbleweed. 

Auf jeden bin da gerade und mir fallen gleich die Fingerchen ab, denn es ist kalt. Die Heizung kann so ab 7-8° C was ausrichten, darunter wird es eng. Drum homeoffiziere ich auch im Winter und bei unter 7° C nur manchmal dort. Jetzt gerade homeoffiziere ich nicht, denn ich habe Urlaub. Wenn ich nur wüsste, worauf ich in diesem Post hinaus will. 

Ich dachte nur, wenn Du schon mal hier rumhängst, dann kannst Du ja auch was „Sinnvolles“ machen. Sinnvoll wäre sicher auch, wenn ich mich mal auf den Podcast heute Abend vorbereiten würde. Ich habe weder 5 Leute, die ich gut finde der Woche, noch die 3 Fragen an den jeweils anderen. Als Song der Woche, das kann ich vorwegnehmen, habe ich diesmal das Lied „Wassermann (Aquarius)“ von Donna Summer aus dem Musical „Haare“ ausgewählt. Donna Summer kann sehr gut singen und sie hat auch ungefähr 150 Millionen Platten verkauft, habe ich neulich erfahren. Ich habe mir mal vor 100 Jahren auf einem Flohmarkt in Berlin die LP „Haare“ gekauft, weil ich die Musik des Musicals, bzw. des Filmes „Hair“ gut fand. Ich war da so eine Art Hippiepunk und stand auf sowas. Aber auch auf Slime, Abwärts, Hans-A-Plast und die Dead Kennedys. Ich konnte mich nicht entscheiden. Ich fand auch Devo gut und kaufte mir schon damals JEDE Platte von Miles Davis, derer ich habhaft werden konnte. Außerdem mochte ich Pink Floyd und Demented Are Go, Einstürzende Neubauten, XTC, New York Dolls, Musik des 2-Tone-Records-Labels von Jerry Dammers und seinen Freunden, aber auch James Brown, Gil Scott-Heron, Gang Starr, Public Enemy, Beastie Boys, N.W.A., ASD, Eins Zwo, Stieber Twins (ja, ja schon gut) und auch Aretha Frankin, Ella Fitzgerald, Dinah Washington, Solomon Burke, Phil Collins (ja, ganz genau, Phil Collins), Jimi Hendrix, Otis Redding und die Ärzte (ja, ja schon gut). Auf jeden Fall kaufte ich mir damals die „Hair“-Platte. Das Cover war ja bekannt, die Platte kostet 1 Mark und ich war mit meinen Gedanken schon wieder ganz woanders. Deshalb bemerkte ich gar nicht, dass auf dem grafisch mir bekannten Hair-Cover „Haare“ statt „Hair“ stand. Haare! Ich bemerkte es erst, als ich die Platte anhörte. Ich war entsetzt und warf die Platte wütend und enttäuscht in die Ecke. Obwohl 1 Mark damals viel Geld war, konnte ich sie ja nicht umtauschen. Ich wohnte damals mit Anke in einer winzigen Wohnung am Kottbusser Damm, als da wo Kreuzberg am schönsten war, in einer Art WG, aber in 1 Zimmer. Es waren nur ein paar Monate und ich hätte wetten können, dass diese Zeit grauenhaft für alle Beteiligten war, aber Anke erzählte mir neulich erst, wie wundervoll man mit mir doch in einem Zimmer wohnen könne. Ich muss darauf hinweisen, dass wir „nur“ befreundet waren, aber jetzt kein Paar im herkömmlichen Sinne. Wir hatten damals nichts. Naja, jetzt gerade nicht nichts, aber schon sehr wenig. Wir kauften ausschließlich bei Plus oder Aldi Lebensmittel für unter 1 Mark. Also auch der Wein stammte aus Tetra-Paks für 89 Pfennig der Liter. Man trank sehr viel Wein und hatte oft Kopfschmerzen, dann trank man einfach nochmal Wein und die Sache war geritzt. Zweimal die Woche war Markt am Maybach-Ufer und wir holten uns dort alte Gemüsekisten, um damit zu heizen. Ich weiß immer noch nicht, worauf ich hinaus will. 

Man muss hiervon schon Fan sein, oder?.Ob es jemals jemanden gab, der/die hier zufällig reinstolpert und das liest und dann denkt: „Och, das ist ja interessant, da lese doch gleich mal, was dieser mir völlig unbekannte Typ noch so erlebt hat. Wo kommt er her? Was hat er, sagen wir am am 6. Januar am 7. Januar vor 15 Jahren erlebt und gedacht. Das mit den Abenteuern des kleinen Schlozz Emil Bienenschlau finde ich so interessant, dass ich gleich mal 5 meiner besten Freunde auf dieses Blog hinweise, die ihrerseits wieder 5 Leuten den Link zu huck.blog aka blogroyal.de schicken.“ Das wird niemals passieren. Vielleicht vor 14 Jahren und 364 Tagen, wäre das noch denkbar gewesen, aber heute, da man eine durchschnittliche Leserschaft von ca. 15-75 Personen hat und Blogs quasi tot sind, ist das nicht denkbar. Leider würde eine solche Person auch niemals im Kommentar oder in einer Mail mal „Hallo!“ sagen und mir über ihre Existenz berichten. Das ist schon komisch. Dass die Leute auf Facebook und zum Teil auch auf Instagram wie wild kommentieren und alles irgendwie einordnen und beurteilen und hier ist alles wie eine Einbahnstraße. Auch so gedanklich. Denn was will ich mit diesem Post eigentlich sagen?

Vielleicht macht es das aus, dass ich keinen Plan habe. Vielleicht hält das auch das Massenpublikum ab, das es ja ohnehin im Blogbereich nicht mehr gibt. Blogger*innen? Was ist das? Auf Instagram kann man Leute beobachten, deren Beruf „Blogger*in“ ist. Damit meinen Sie, dass sie Pflegeprodukte in die Kamera halten, eine Influencer*innen-Brille tragen und mit einer dümmlich wirkenden, quietschenden Stimme irgendeinen Stuss sabbeln. Das ist dann Bloggen. Damit meinen Sie eventuell Video-Bloggen. Wahrscheinlich sind diese Videos auch auf Youtube zu beobachten und die Leute verdienen mehr als ein deutscher Facharbeiter. Diese Leute sprechen Youtube auch „Jutub“ aus, während wir OK Boomer ja „Jutjub“ sagen. Jetzt habe ich vorsichtshalber, bevor ich mich über die Leute, die „Jutub“ sagen, lustig mache, nochmal auf translate.google.com nachgehört, wie es tatsächlich (insofern Google die Tatsächlichkeit darstellt) ausgesprochen wird. Und dort heißt es offenbar auch eher „Jutub“, bzw. „Jütüb“. Ich hab dann nochmal nur das Wort „Tube“ geprüft. Da hört es sich dann nach ca. 15 Mal hören eher wie „Tschilp Tschilp“ an und ich bin nun ratlos. Sagt man nun „Jutub“, „Jütüb“ oder doch „Jutjub“ oder gar „Tschilp Tschilp“? Was soll man machen? Naja, jedenfalls bin ich kein OK Boomer, das ist eine Frechheit, und ich leugne auch keinen Klimawandel. Außerdem stehe ich technischen und gesellschaftlichen Neuerungen offen gegenüber. Ich bin verliebt in die Zukunft. Auch wenn ich befürchte, dass es eher düster aussieht. Wir haben es höchstwahrscheinlich verzockt, und nur weil ich ja auch irgendwie abseits meiner stets lauernden Depression weiterleben will, muss ich die Dinge positiv sehen. Man (also ich jetzt) muss nach vorne blicken. Vielleicht schaue ich mir gleich auch mal Jütüb-Videos über schöne Wälder in Norwegen an oder ich höre einen Podcast oder ich lausche den eigenartigen Erzählungen des Rammstein-Pianisten Christian Lorenz oder ich schaue einfach nur hinaus in den Restschnee. Und das sage ich als weißer CIS-Mann, der jeden Tag seine Privilegien checkt und demnach dankbar und demütig ist. 

Und jetzt her mit der Zukunft.

1 Status: Wir befinden uns immer noch im Bewusstsein und innerhalb der notwendigen Maßnahmen und Regelwerke deren Auslöser die COVID-19-Pandemieist. Es ist noch nicht ausgestanden. Wir sind noch nicht SARS-CoV-2-Impfstoff geimpft, sind jedoch in freudiger und geduldiger Erwartung.

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