neuja! – 16690

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Status: COVID-19-Pandemie1

Nun also ist das hier leicht modifiziert. Die Zahl in dem Sternchen, die mitzählte, wie lange es her ist, seit wir ins Home Office gezogen sind und somit also die Pandemie hierzulande begann, wird nun durch eine andere Zahl ersetzt. Die Umstände, in denen wir seit dem 17. März 2020 leben, sind nun Alltag geworden. Anders geht es nicht. Lamentieren ist ermüdend und wenig zukunftsgewandt. Daher – und um nicht den Eindruck zu erwecken, wir würden das komplett ausblenden, etwa weil wir nicht jammern über die Umstände – wird künftig der Corona-Status dem Blockpost voran stehen und unten im Kleingedruckten jeweils aufgelöst. Wir, das ist in erster Linie die liebe Frau (die auch gestreng sein kann) und ich, die wir hier aus guten Gründen in einem Haushalt hausen. Dies also für die Einsteiger in dieses kleine Blögchen.

Frohes Neues Ja!

Unser Silvesterfest bestand aus einer Schüssel Bratkartoffeln, saurer Sahne und einem halben Kilo Kaviar sowie einer Flasche köstlichem alkoholfreiem Sekt. Währenddessen lief im Fernsehen ein Musiksendung mit den soundsovielen besten Songs aller Zeiten. Draußen lag Schnee und aber wir sind auch dieses Jahr nicht vorne oder hinter dem Schlösschen an die Klippen gelaufe, um uns das Feuerwerk in Mordor anzuschauen. Die liebe Frau hat nur mal die Tür aufgemacht um, wie sie sagt, das Jahr hineinzulassen. Das finde ich ultra-entzückend von der lieben Frau, die mir auch sonst so manches Brauchtum näher brachte. Diese etlichen Brauchtümer entstammen allerdings nicht etwa dem Bajuwarischen, sondern die liebe Frau hat sie aus den verschiedensten Orten ihrer Phantasie liebevoll kuratiert. Also haben wir das neue Jahr hineingelassen. Es war kurz kalt. Aber es geht ja weiter. Wir, also die Firma, haben tatsächlich mal Urlaub. Der Geschäftspartner hat übers Jahr quasi durchgeochst, während ich, so halb urlaubsmäßig mal zwei Wochen, aber mit dem Arbeits-Macbook, iPhone und Reisedrucker ausgestattet, durch die Schweiz gegondelt bin. Ob man die Wohnmobilfahrerei Urlaub nennen kann, da kann man ja geteilter Meinung sein. Ich hatte im Sommer in einem winzigen Zeitfensterchen Kontakt zu einer Bekannten aus alten Zeiten. Für die ist Wohnmobilfahren schon Urlaub. Vielleicht müssen wir da noch etwas üben. Jedenfalls ist das für uns eher Reisen oder Erleben und ganz eventuell ein bisschen Abenteuer. Jedenfalls dann, wenn dauernd irgendein Kontroll- oder Warnlämpchen aufleuchtet und wir in allen Herren Ländern danach kostenungünstig in Werkstätten sitzen. Auf diese Weise haben wir zwar schon dreibeinige, französische Katzen und freundliche Norweger kennengelernt, aber wir bevorzugen dennoch Reisen ohne Zwangsaufsuchung von Werkstätten. Naja. Also. Dennoch fehlt uns das Reisen und wir denken ich denke oft daran, wie das vor 1 Jahr war, als wir in Südfrankreich rumstanden und es draußen 16° C im Schatten waren. Die Frau ist „auch mal froh“, die Zeiten hier in der gemauerten Bude zu verbringen.

Und heute sind wir also durch den Taunus gefahren. Es schnie und ich war in Sorge, weil ich ja noch mit der Sommerbereifung und der schicken Befellgung fahre und somit der Schnee nicht bis auf die Straßen reichen sollte. An einschlägigen Rodelhängen stand bisweilen die Polente und schickte das ruchlose Pack weg oder die Autos stauten sich in Waldwegen und die Karren hingen in den Gräben und den Waldrändern und zermalmten den zarten Wuchs mit den Reifen ihrer Sport Utility Vehicles. Ja, und so wurde man auch im neuen Jahr mit der berühmt-berüchtigten Dummheit der Menschheit konfrontiert. Danke für Nichts, ihr Vollpfosten aller Nationen und Geschlechter sowie sexuellen Orientierungen. Es ist also nicht so, dass ich das Dilemma einigermaßen einordnen kann und nun halt mal so damit leben kann, ich muss mich leider auch dieses Jahr (war ja klar) über diverse Untermenschlichkeiten auf – und erregen.

Aber jetzt mal zu was ganz anderem

Meine Freundin und die Korrekturleserin meines kleinen Magazins, nuhct abre disES Blovkses, Nicki Amberg-Werner betrachtete mich mal im Rahmen eines Zoom-Meetings, wie ich mir Sprühsahne in mein gieriges Maul spritzte. Sprühte, nicht spritzte, sonst wäre es ja Spritzsahne. Warum eigentlich heißt es nicht Spritzsahne? Jedenfalls hat sie dieses Ereignis derart schockiert, ästhetisch, aber vor allem kulinarisch, dass sie mir zu Weihnachten einen schicken Sahnespender schenkte. Die Sahne wird mittels einer Distickstoffmonoxid-Patrone in den Mund oder, wie in dem vorliegenden Fall, auf den brennendheißen Apfelstrudel gesprüht oder gespritzt. Wenn man die Patrone einlegt, bevor der Deckel des Sahnespender verschlossen ist, entleert sie sich innerhalb von ca. 12 Millisekunden ins Nichts. Einen Lachanfall haben wir trotzdem nicht verzeichnen können. Und noch ein funfact: Wenn man das ganze nicht vorher schüttelt, spritzt der Sahnespender die flüssige Sahne einfach bis in den letzten Winkel der Wohnung und man muss erstmal die Wohnung putzen. Wo ist die Putzfrau, wenn man sie mal braucht. Naja.

Nächste Woche ist dann einfach so Urlaub. Das ist krass. Es ist Nichts, kein Wohnmobilfahren, keine Feiertage. Wie das wohl sein wird? Zumal die liebe Frau ja da schon im SPD-Wahlkampf-Modus sich befinden wird. Ich bin dann ganz alleine, tagsüber jedenfalls. Was man da alles machen kann? Mir fällt nur leider nichts ein, was ich nicht auf in Gegenwart der lieben Frau (die auch gestreng sein kann) machen könnte. Wir verbieten uns ja nichts. Wenn ich mich in Gegenwart der Frau zum Beispiel hemmungs- und sinnlos betrinken wollte, so könnte ich das ohne weiters tun. Ich könnte sogar 40 Zigaretten am Stück rauchen und dabei Unflätiges von mir geben. Sie würde das okay finden. Sie würde sagen: „Warum denn auch nicht. Ein interessanter Wesensausschnitt meines lieben Mannes (der auch gestreng sein kann), den ich hiermit zur Kenntnis nehme. Mal sehen, was da noch so kommt.“ Das würde sie sagen und denken. Das ist ganz schön toll. Nur „leider“ werde ich mich wohl im Leben nicht mehr betrinken. Und gar nicht mal aus medizinische oder gar suchttechnischen Gründen, sondern nur, weil ich den zuvor in meinem Leben 34 Jahre lang arg gefeierten Zustand des Rausches, irgendwann leid war. Oder Flatulenz. Ich dürfte das ausleben. Wenn ich wollte. Würde ich ja nicht, weil ich das irgendwie selbst komisch finde, wenn jemand neben mir furzt. Aber das Rülpsen wird bei mir groß geschrieben. Ich bin heilfroh, dass ich im Beisein der Frau rülpsen kann, wie ich will. Rülpsen ist echt toll. Würde ich jetzt auch nicht in einem Restaurant machen, aber hier zuhause rülpsen können und die jeweilige Frau macht kein sauertöpfisches Gesicht, das lob ich mir schon sehr. Das ist was wert. Da hat man die richtige Wahl getroffen. Und also werde ich die kommende Urlaubswoche einfach da sitzen und mir „Eisenbahn-Romantik“ anschauen oder Dokumentionen über Venedig oder den zweiten Weltkrieg oder kanadische Bären. Und ich werde die Tage in Boxershorts und T-Shirts verbringen. Manchmal werde ich die Spülmaschine ausräumen und mir währenddessen in der Heißluftfritteuse etwas erhitzen. Dabei werde ich aus dem Fenster schauen und denken, man müsste mal rausgehen. Man müsste mal was mit dem 3D-Drucker ausdrucken. Man wollte sich doch schon seit dem 24. Dezember jeden Tag mit 3D-Programmen auseinandersetzen. Man wollte doch spätestens schon jetzt mal irgendwas sinnvolles ausgedruckt haben, was den Namen der lieben Frau trägt. Und dann wird man wieder das Gefühl haben, dass man was hätte machen müssen, was man nicht gemacht hat und dann wird man mit der iPhone-App alle Lichter ausschalten und sich die Decke über den Kopf ziehen, um etwas zu schlafen. Und dann wird das auch richtig sein so, denn es ist ja Urlaub. Das darf man nie vergessen.

1 Status: Wir befinden uns immer noch im Bewusstsein und innerhalb der notwendigen Maßnahmen und Regelwerke deren Auslöser die COVID-19-Pandemie ist. Es ist noch nicht ausgestanden. Wir sind noch nicht SARS-CoV-2-Impfstoff geimpft, sind jedoch in freudiger und geduldiger Erwartung.

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